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Chaos! In Tempelhof

Was 2017 durch das Engagement von Herrn Mette und Herrn Landmann von Stadt und Land noch wie Zukunftsvision klang, wurde im November 2018 Realität. Herr René Broeders, der Leiter und Organisator von BeVoice, stand noch 2017 in der Schule am Berlinickeplatz und wusste genauso wenig wie wir, wie das alles werden und aussehen könnte – viel galt es zu klären und zu organisieren, noch mehr aber gemeinsam zu erreichen.

Mit dem klaren Ziel vor Augen, den Schüler*innen nicht nur in Neukölln, sondern auch in Tempelhof  die Idee von BeVoice als ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen: Schüler*innen aus Berlin und Schüler*innen mit dem Schwerpunkt Tanz und Gesang aus den Niederlanden treffen zusammen und erproben gemeinsam ein Stück Musiktheater zu einem naturwissenschaftlichem Thema. Dabei lernen die Berliner Schüler*innen nicht nur Singen und Tanzen, sondern überschreiten dabei ihre eigenen Grenzen, sie wachsen über sich hinaus, experimentieren und erleben etwas ganz Neues. Dabei müssen sie für den gemeinsamen Erfolg nicht nur oft über ihren Schatten springen, sondern auch die vorhanden Sprach- und Kompetenzbarrieren überwinden. Am Ende wachsen all diese jungen Menschen zusammen und zeigen ihr Können bei einer atemberaubenden Bühnenshow vor Publikum.

Trotz vieler organisatorischer Stolpersteine und Hürden, die überwunden werden mussten, gelang es schließlich nach circa 18 Monaten Vorbereitung, BeVoice „Chaos in Tempelhof“ auf die Beine zu stellen und eine Woche später auf die Bühne zu bringen.

Nachdem am Samstag, den 03.11.18, die Venloer des Valuascollege angereist waren, gaben sie den Gastfamilien und Interessierten am Sonntag eine Kostprobe ihres Könnens – grazile Bewegungen, Ausdrucksstärke, Energie – alles, was eine gute Performance benötigt. Ab da an war klar: Unsere Schüler*innen sind nicht nur seitens des BeVoice-Teams in guten Händen, sondern erhalten auch aus den Reihen der Venloer starke Unterstützung.

Während noch am Montag die Zurückhaltung, jugendliche Peinlichkeit und Coolness überwog, war bereits am Dienstag das Eis gebrochen. „Am Anfang wollte ich es nicht machen, aber am Ende hat es sehr sehr Spaß gemacht.“, schrieb Gökcem. Erik schrieb ebenfalls „Viele waren anfangs nicht davon begeistert zu singen oder zu tanzen, doch schon nach dem ersten Tag haben die meisten Spaß empfunden. Daher, erst probieren und dann bewerten.“ Und auch Amura lässt es deutlich anklingen „Am Anfang Katastrophe, aber es wurde immer besser.“

Mit jedem Tag stieg das Trainingslevel der unterschiedlichen Gruppen, denn anfangs wusste noch keiner der Schüler*innen, wie die gesamte Show aussehen sollte – jedes Grüppchen, bestehend aus Schüler*innen beider Schulen, trainierte für sich.  Die langen Tage und die intensiven Übungen führten alle Beteiligten an ihre Grenzen, oft sogar darüber hinaus und vielen wurde klar, dass sie nicht nur hart trainieren müssen, um gut zu sein, sondern auch als Team arbeiten müssen, damit die einzelnen Figuren, Klänge und Bewegungsabläufe ineinanderfließen.

So verwundert es nicht, dass Ilayda sagt „In der BeVoice Woche habe ich gelernt, über meinen Schatten zu springen und bin, was das Tanzen angeht, nicht mehr so verklemmt wie vorher. Ich traue mich mehr, da die Zusammenarbeit mit den Holländern viel Spaß gemacht hat.“ Emil ergänzte „BeVoice hat mir gezeigt, dass ich doch Ausdauer habe und dass ich etwas schaffen kann, wenn ich mich anstrenge. Ich fand die Woche anstrengend, aber schön und hatte viel Spaß.“ Und Danijel schließt sich mit den Worten „Bei BeVoice lernten wir Fleiß und Disziplin. Wir alle gingen über unsere Grenzen hinaus und zusätzlich lernten wir auch neue Freunde kennen.“

Aus dieser Stimmung heraus verwundert es nicht, dass die Premiere am Freitagabend, den 9. November, in der Schindlerhalle 2 zu einem vollen Erfolg wurde. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass die vorgesehenen 250 Plätze nicht ausreichten und 50 weitere bestellt werden mussten, um den Andrang an beiden Abenden zu bewältigen.

Auf der Bühne wurde letztlich das offenbar, was sich bereits in den Proben und Trainings sowie in der Generalprobe andeutete: Alle Schüler*innen zeigten nicht nur eine überwältigende Motivation, sondern performten ein atemberaubendes Musiktheater. Selbst das noch in der Kantine regelrecht greifbare Lampenfieber wich der Konzentration und der puren Freude und Lust daran, das Gelernte und das Erreichte voller Stolz den Anwesenden zu präsentieren. Ein voller Erfolg und sicherlich ein Ereignis, an den sich unsere Schüler*innen noch lange erinnern werden, denn schließlich haben sie mit viel Mühe und Kraft innerhalb von nur einer Woche ein komplettes Bühnenstück mitsamt Gesang und Choreographie eingeübt und präsentiert. Mehr Lernerfolg bei gleichzeitig hoher Motivation ist selbst einem hartgesottenen und altgedienten Pädagogen kaum möglich und so verwundert es nicht, dass die anwesenden Kolleg*innen der Schule am Berlinickeplatz freudestrahlend und manchmal mit einem nassen Blick voller Hochachtung und Respekt auf ihre Schüler*innen blickten.

Aber auch die Schüler*innen reagierten auf dieses besondere Ereignis und stellten knapp, aber klar wie Gizem fest „BeVoice – freiwillig noch eine Woche.“ oder Can „Tanzen und Singen ist wie Feiern und Spaß haben!“ Abdullah findet sogar, dass es „möglicherweise die beste Zeit und das beste Erlebnis in der Schule“ für ihn sein werde. Doch fast alle verbindet die Aussage, die Basma äußert „Es war eine tolle Zeit mit den Niederländern und man hat viel Neues gelernt.“ oder Pia „BeVoice war eine tolle Woche, weil man eine neue Erfahrung gemacht hat: Mit fremden Leuten arbeiten und eine tolle Show auf die Bühne zu stellen.“ Am Ende sprechen Melissa und Vanessa aus, was auch ich mir denke „ich würde jeder Schule empfehlen, diese große Chance zu nutzen.“ Es sei denn, man ist der pragmatische Typ, dann lohnt es nüchtern und ohne Eitelkeit festzustellen: „Es war besser als Schule.“


Diese Woche wird uns allen in besonderer Erinnerung bleiben – wir danken nicht nur allen Sponsoren und Akteuren im Hintergrund, sondern ganz besonders unseren Schüler*innen, dass wir sie in dieser Form erleben zu durften.

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